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Richard Garbe: Indien und das Christentum
Vorwort von Christian Lindtner


Der Nachdruck eines 90 Jahre alten wissenschaftlichen Buches bedarf sicherlich eines Wortes der Rechtfertigung. Trotz seines Alters bleibt Richard Garbes „Indien und das Christentum“ (Tübingen 1914) Dank seiner vielen Referenzen und kritischen Diskussion fast aller der zahlreichen vorherigen Arbeiten, die sich mit der Frage des indischen und buddhistischen Einflusses auf das Neue Testament (N.T.) befassen, noch immer eine der besten Arbeiten seiner Art in deutscher Sprache. Auch wenn Garbes Buch in verschiedener Hinsicht mit Sicherheit überholt ist, so ist es doch vom Gesichtspunkt der Geschichte der Forschung auf einem Gebiet, das seit langem übermäßig vernachlässigt worden ist, noch immer bedeutsam.

Es kann, meiner Meinung nach, keinen Zweifel darüber geben, daß es lediglich eine Frage der Zeit ist, daß wir Zeugen einer gewaltigen Wiederbelebung des Interesses daran werden, was als Vergleichende Evangelien-Studien bezeichnet werden könnte, und zwar bezüglich der buddhistischen Quellen des Neuen Testamentes, vor allem der vier Evangelien. Diese Wiederbelebung wird auch beinhalten, daß es eine neue Nachfrage nach einigen der frühen wissenschaftlichen Arbeiten geben wird, die sich mit dem Problem der gegenseitigen Beeinflussung von buddhistischen und N.T.-Erzählungen auseinandersetzen.

Neben Garbe dürfen wir hier an Georg Fabers „Buddhistische und Neutestamentliche Erzählungen – das Problem ihrer gegenseitigen Beeinflussung untersucht“ (Leipzig 1913) erinnern, einer kurzen und informativen wissenschaftlichen Arbeit, die eine gute Übersicht und Einführung in die Probleme vermittelt. Faber kommt zu dem Ergebnis, daß in den Evangelien kein buddhistischer Einfluß nachgewiesen werden könnte. Garbe hatte sein Manuskript bereits fertig gestellt, als Faber’s Buch erschien (Garbe, ebenda, Seite 14, Anm. 1), und Garbe war – im Gegensatz zu Faber – darauf vorbereitet, schließlich vier Fälle zuzugestehen, in denen „buddhistischer Einfluß in den Erzählungen der Evangelien nicht zu leugnen ist“ (Garbe, ebenda, Seite 47). Garbe zweifelte weder die Geschichtlichkeit von Jesus an, noch stimmte er irgendeinem Einfluß des Buddhismus auf christliche Dogmen zu. Er war somit weit davon entfernt, die von Th. J. Plange in „Christus – ein Inder?“ (Stuttgart 1906, Nachdruck Süderbrarup 2003) erarbeitete Feststellung zu teilen, „... daß das UrChristentum nichts anderes war, als ein von buddhistischen Missionaren nach Rom übertragener Buddhismus“ (Plange, ebenda, Seite 230). Obwohl die Quellen, auf denen Planges Überzeugung beruhte (indem er Jacolliot folgte, vgl. Garbe, Seite 13), oft – wie zugegeben werden muß – fehlerhaft waren, fraglich oder in anderer Weise unzureichend oder unecht [engl.: spurious], gibt es, wie wir nunmehr rückschauend sehen, nichtsdestoweniger einige Wahrheiten in den Thesen Planges über die buddhistischen Missionare.

Falls man einem der neuesten deutschen Bücher auf diesem Gebiete folgen will: Nach Ulrich Luz & Axel Michaels „Jesus oder Buddha: Leben und Lehre im Vergleich“ (München 2002) scheint Garbe noch immer das letzte Wort in dieser Angelegenheit gesagt zu haben: „Die Ähnlichkeiten zwischen buddhistischen und neutestament-lichen Erzählungen haben einen Tummelplatz des Dilettantismus geschaffen, auf dem seit langer Zeit ein fröhliches Leben herrscht“ (Luz & Michaels, ebenda, Seite 11; Ref. zu Garbe, Seite 12).

In ähnlicher Weise dürfte es für Michael von Brück & Whalen Lai, „Buddismus und Christentum“ (München 1997 und spätere Nachdrucke) den Anschein gehabt haben, „daß der Einfluß des Buddhismus auf das Christentum marginal war und nicht den zentralen Inhalt der Botschaft Jesu betrifft“ (v. Brück & Lai, ebenda, Seite 316). Diese beiden Autoren beziehen sich ebenfalls auf Garbes Arbeit von 1914 (ebenda).

 Bezüglich dieser Einstellungen gibt es zwei Hauptprobleme. An aller erster Stelle basieren sie auf unzureichender Kenntnis der ursprünglichen buddhistischen und sanskritischen Quellen. Zweitens beschränken sie ihre Forschungsarbeiten auf parallele Motive und Ideen, wobei sie ernstlicherweise versäumen, die Möglichkeit einer direkten Übersetzung aus dem Sanskrit ins Griechische in Betracht zu ziehen. Ein gutes Beispiel für diesen Mangel läßt sich bei Garbe (Seite 44) auffinden. K.E. Neumann hatte auf eine buddhistische Parallele zu dem gefeierten „Gleichnis von dem Kamel und dem Nadelöhr“ hingewiesen; aber Garbe lehnt dies mit der Begründung ab, daß „hier ... alles verschieden (ist) mit Ausnahme der Vorstellung, daß ein Tier auf unglaubliche Weise in ein Loch gerät, literarischer Zusammenhang also so gut wie ausgeschlossen.“

Wenn man den griechischen Text sorgfältig Wort für Wort mit dem buddhistischen Original (Pâli und Sanskrit) vergleicht, wird man erkennen, daß das Wort kûrmas zu kamêlos wird, daß purusas zu plousios wird, usw., usw., kurz gesagt, daß es eine direkte literarische Verbindung gibt, mit anderen Worten, eine direkte Imitation oder Entlehnung [engl.: borrowing] vom Sanskrit und Pâli ins Griechische. Der Sinn hat sich drastisch verändert, die (Meeres-)Schildkröte wird zum Kamel, aus dem Mann wird ein reicher Mann, usw., usw., aber der Wechsel in der (inhaltlichen) Bedeutung [engl.: meaning] kann nur auf der Basis der Ähnlichkeit des Klanges [engl.: sound] erklärt werden, d.h., wie gesagt, auf der Basis direkter literarischer Beziehung, wobei es keinen Zweifel über die Priorität der buddhistischen Quellen geben kann. Die Version des Neuen Testamentes macht tatsächlich nur Sinn, wenn man das buddhistische Original kennt. (Für ein ausführlicheres Studium dieses Grundsatzes [engl.: parable = Parabel, Gleichnis] siehe meinen Beitrag „A New Buddhist-Christian Parable“ in der von Countess, Lindtner, Rudolf u.a. verfaßten Schrift: „Exactitude – Festschrift for Robert Faurisson“, Chicago 2004, Seite 27-56.)

Wenn wir nach den „historischen Kanälen“ suchen, durch die der Buddhismus das Christentum beeinflußt hat, ist es, um meinen Standpunkt zu wiederholen, nicht ausreichend, nach ähnlichen Motiven und parallelen Ideen zu forschen; wir müssen, um auf festem Boden zu stehen, nach enger sprachlicher Ähnlichkeit [close verbal similarity] suchen. Darüber hinaus müssen wir natürlich wissen, wo wir nach jener engen sprachlichen Ähnlichkeit suchen müssen. Wie ich überall wieder und wieder erklärt habe, sind die beiden wichtigsten buddhistischen Quellen der Mûlasarvâstivâdavinaya (MSV) und das Saddharmapundarîkasûtram (SDP). Es gibt andere Quellen, aber MSV und SDP sind bei weitem die wichtigsten. Der Sanskrit-Text des MSV wurde Wissenschaftlern erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugänglich. Dadurch hatten die früheren Wissenschaftler keinen direkten Zugang zu den wichtigsten Originalquellen.

Die Suche nach enger sprachlicher Ähnlichkeit ist oftmals dasselbe wie die Suche nach numerischer Identität. Wieso? Im Griechischen und Hebräischen, sogar in einigen Sanskrit-Texten, hat jeder Buchstabe auch einen numerischen Wert: a [a] = 1, b [b] = 2, g [g] = 3, d [d] = 4 usw., usw. In vielen Fällen werden nur die Mitlaute in Betrachtung gezogen (wie im Hebräischen), was z.B. bedeutet, daß der erste Jünger des Buddha, (Sâri-)Putras leicht der erste Jünger (Apostel) von Jesus, d.h. Petros, wird. Die Ursache ist natürlich, daß die Mitlaute die gleichen sind: P-T-R-S. Die enge sprachliche Ähnlichkeit oder Identität bedeutet hier auch numerische Identität. In derselben Weise wird aus dem Jünger aNiRuDDHaS der Jünger aNDReaS (wobei ddh = d ist), TaMaS wird THoMaS, NâLaNDâ (ein Platz) wird NaTHaNaeL, usw., usw.

Dies ist nur ein einfaches Beispiel. Tatsächlich gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende solcher Beispiele; einige davon sind einfach, andere sind komplexer. Unsere Suche nach enger sprachlicher Ähnlichkeit muß sich nicht auf Wörter beschränken, sondern gilt auch gegenüber Sätzen und sogar ganzen Absätzen. Ich habe hierzu viele Beweise und Beispiele in verschiedenen Vorträgen und Zeitschriften vorgelegt. Kein ernsthafter N.T.-Forscher wird zu bezweifeln wagen, daß die Wörter und Silben im griechischen Text der Evangelien sorgfältig kalkuliert worden sind.

Ein nettes Beispiel wird in der Offenbarung des Johannes 13:18 geboten, indem von sophia, „Weisheit“, gesprochen wird, und über das Bild des großen Tieres, dessen Zahl 666 beträgt. Die Zahl des Tieres, wird gesagt, „ist eines Menschen Zahl“:

 a-rith-mos gar an-thrô-pou es-tin

 Das Griechische hat neun Silben, genau wie das Original im Sanskrit, und die Silben sind die gleichen:

 sad-dhar-ma-pun-da-rî-ka-sû-tram

Lassen Sie mich hierzu in wenigen Worten etwas erklären, d.h. lassen Sie mich erläutern, was der Autor unter sophia versteht:

Das Sanskrit besteht aus drei Konzepten in einem Kompositum:

  1. Sad-dhar-ma(s), welches zu a-rith-mos wird. Das ddh wird hier wiedergegeben durch das griechische th, ebenfalls ein Zahnlaut mit Behauchung (Aspirata). Die Laute s, r und m des Originals werden beibehalten. Der Sinn ändert sich geringfügig. Das Sanskrit meint „wahres Gesetz“ [engl.: true law], das Griechische „Zahl“, – was ein Teil des „wahren Gesetzes“ ist.
  2.  Sanskrit pun-da-rî-ka bedeutet „weißer Lotus“, hier benutzt als Symbol für den Buddha als Mensch. Im Griechischen wird daraus gar an-thrô-pou, „nämlich eines Menschen“. Was die Konsonanten anbetrifft: Es gibt fünf verschiedene Mitlaute im Sanskrit: p-n-d-r-k. Sie werden auch im Griechischen dargestellt als: g-r-n-th-r-p. Aus dem gutturalen k (Kehllaut) wird das gutturale g, und das dentale d wird das dentale th. Das p und das n sind noch vorhanden. Es scheint ein „zusätzliches“ r zu geben – aber dies scheint nur so:
  3. Das Sanskrit sû-tram wird – an der gleichen Stelle am Ende – griechisch es-tin, „ist“. Das Sanskrit hat vier Mitlaute: s-t-r-m, was bedeutet, daß das r, das im griechischen es-tin fehlt, bereits oben (unter 2.) verbraucht worden ist. Das Griechische ist somit eine literarische Übersetzung aus dem ursprachlichen Sanskrit, aber der Sinn scheint sich geändert zu haben – aber so nicht tatsächlich, falls man das Sanskrit kennt.

    Wir kommen jetzt zur numerischen Identität, welche, wie gesagt, auch ebenfalls eine Art der sprachlichen Identität ist:

Die wichtige Zahl, das Objekt so vieler Spekulationen, war natürlich 666. Der numerische Wert von Sanskrit pun-da-rî-ka

= 80+400+50+4+1+100+10+20+1 = 666.

Der numerische Wert von griechisch „the great beast“, to mega thêrion, ist:

 = 300+70+40+5+3+1+9+8+100+10+70+50 = 666.

Dies bedeutet, daß das große Tier identifiziert ist, und zwar auf dem Wege über gleiche Zahlenwerte mit dem pundarîka, denn 666 = 666. Wir dürfen hier, falls wir es wünschen, von Isosephie sprechen, gleichem numerischen Wert. Dies wiederum bedeutet, daß das große Tier, im Lichte der ursprünglichen Quelle, irgendwie der pundarîka ist, ein weißer Lotus, das Symbol eines Buddhas, wie in dem SDP. Die Offenbarungen erkennen, mit anderen Worten, das SDP an, lehnen es in gewissem Grade aber auch ab. (Wir können nun die vielen früheren Spekulationen über die Bedeutung der Figur 666 verwerfen, da diese nicht auf den Originalquellen beruhen; siehe die Kommentare zu Offenbarung 13:18 und Franz Dornseiff: „Das Alphabet in Mystik und Magie“, Leipzig & Berlin 1925, Reprint Leipzig 1979, Seite 106-108.)

Es gibt viele, viele andere ähnliche sprachliche Ähnlichkeiten in den Evangelien des N.T. mit der gleichen Auswirkung: Das N.T. basiert auf solchen buddhistischen Quellen wie dem MSV und dem SDP, aber es erkennt sie ebenfalls nicht an. Das Christentum sieht sich selbst, kurz gefaßt, als eine neue Form des Buddhismus, Buddhismus vor allem (aber nicht nur) für Juden. Die neue Religion ist nicht länger auf Indien begrenzt.

Einer der vielen Namen Buddhas ist Sâkyamunis. Das N.T. anerkennt Sâkyamunis, aber es lehnt Sâkyamunis auch ab. Es folgen zwei wunderbare Beispiele, um die odi-et-amo-Beziehung zum alten indischen Buddhismus darzustellen: 1. In Matthäus 26:27-28 erhebt Jesus einen Kelch und lädt seine Jünger ein, sein eigenes Blut zu trinken! Das Griechische für „mein Blut“ ist: to haima mou

= 300+70+1+10+40+1+40+70+400 = 932.

Die direkte buddhistische Quelle für das letzte Abendmahl ist Mahâparinirvânasûtram 42:10 (einem Teil des MSV), wo die Hauptperson tatsächlich Sâkyamunis ist, der sich in fast denselben Worten an seine engsten Jünger wendet. Der numerische Wert von Sâkyamunis

= 200+1+20+10+1+40+400+50+10+200 = 932.

 Dies bedeutet, daß Jesus seine Jünger zum „trinken“ auffordert, bzw. Sâkyamunis in sich aufzunehmen [engl.: imbibe], denn 932 = 932. Darüber hinaus weist der Buddha in der Originalquelle Mahâparinirvânasûtram (MPS) 42:10 auf sich selbst als den Körper, Sanskrit kâyam, von Tathâgatas (einer seiner vielen Titel) hin. Der numerische Wert von Tathâgatas ist

 = 300+1+9+1+3++1+300+1+200 = 816.

Der numerische Wert von kâyam beträgt

= 20+1+10+1+40 = 72.

 Wenn wir kâyam und Tathâgatas zusammenzählen, d.h. 72 + 816, kommen wir auf 888, was auch der numerische Wert der sprechenden Person ist, nämlich Jesus, griechisch ´Iêsous

= 10+8+200+70+400+200 = 888.

Somit ist Jesus offensichtlich der „Körper Tathâgatas“, – d.h. ein neuer Buddha, der den alten ersetzt. Also wieder die odi-et-amo-Beziehung. Der Buddha wird anerkannt, aber auch abgelehnt.

 In Matthäus 21:18 sieht Jesus einen Feigenbaum, einen sukên mian, und er entweihte ihn auch – ohne einen ersichtlichen Grund. Das griechische SuKêN MiaN ist die Akkusativ-Form von Sâkyamunis, nämlich SâKyaMuNiM. So kommt Jesus dem Buddha näher, lehnt ihn aber auch ab. Dies ist tatsächlich ein wunderbares Wortspiel , denn obwohl sogar Sâkyamunis keinen Feigenbaum meint, wird Sâkyamunis oft mit einem Feigenbaum [Sanskrit: udumbáras] verglichen. So ist die griechische Übersetzung, falls man das Sanskrit kennt, sehr getreu gegenüber dem Klang und dem Sinn des Originals.

 In Lukas 17:6 erfahren wir, daß die Jünger mittels des Glaubens, griechisch pistis [Sanskrit: prasâdas, upasamas], „zu diesem Maulbeerbaum“ sagen können: „Reiß dich aus, und versetze dich ins Meer!“ [Luther-Bibel 1902] Dies bedeutet, daß sie den Baum mittels des Glaubens los werden können. Das griechische Hauptwort (nur bei Lukas) ist hier suka-minos, d.h. ein neues Wortspiel für Sâkyamunis. Wiederum ist das Wortspiel wunderbar und zeigt die erstaunliche Geschicklichkeit des Übersetzers, denn die Früchte des Maulbeerbaumes [sycamine; engl.: sycamore tree eigentlich Berg-Ahornbaum] sind, wie bekannt, den Feigen ähnlich.

Ich erwähnte, daß Sâkyamunis oft mit einem Feigenbaum verglichen wird Sanskrit udumbáras [= Feigenbaum]. Genauer ausgedrückt, sein Erscheinen in dieser Welt ist ebenso selten wie das Erscheinen einer Blume auf dem udumbáras [Feigenbaum] (entsprechend einem allgemeinen indischen dichterischen Brauch), wie im Mahâparinirvânasûtram (MPS) 42:10 usw.

Dieses muß man wissen, um den Sinn jener Fälle zu erfassen, in denen Jesus mit dem Weinstock gleichgesetzt wird, sogar mit dem „echten Weinstock“ (Johannes 15:1,4 u.5; Matthäus 26:29; Markus 14:25; Lukas 22:18).

In Matthäus 26:29 sagt er, daß er nicht mehr von der Frucht des Weinstocks (tês ampelou) bis an den Tag trinken werde, da er’s neu trinken werde mit seinen Jüngern in seines Vaters Reich.

 Der tês ampelou [Weinstock] ist hier eine literarische Version von Sanskrit udumbáras [Feigenbaum], denn d-m-b-r-s = t-s-m-p-l (d und t sind beide Zahnlaute, b und p Lippenlaute, und r und l Halbvokale). Der neue Wein ist der neue udumbáras, Jesus als der neue und der wahre Buddha. Wir können dies in den Worten Matthäus’ 11:12 zusammenfassen: „Von den Tagen Johannes des Täufers (ho baptistês = bodhisattvas) bis hieher leidet das Königsreich des Himmels (hê basileia tôn ouranôn = devânâm parisat) Gewalt, und die Gewalt tun, erobern es mit Macht.“ (Wieder gibt es eine direkte MSV-Quelle hierfür.) Die Verfasser der Evangelien, sogar des N.T.s, nahmen das buddhistische Königreich des Himmels mit Gewalt.

Offensichtlich konnte keine dieser Identifikationen gemacht werden – noch sind sie früher gemacht worden –, solange man versäumte, sorgfältig nach engen sprachlichen Ähnlichkeiten zu suchen (was numerische Identitäten einschließt.)

Allein die Tatsache, daß das N.T. folglich Sâkyamunis kennt (sein Name wird schon in einer der Inschriften des Königs Asoka bezeugt), ist dies auch ein einfacher Beweis für die Priorität der buddhistischen Quellen. Andernfalls würde man argumentieren müssen, daß die Buddhisten den Namen von Sâkyamunis aus den N.T.-Evangelien entlehnt hätten – eine offensichtliche Absurdität.

Garbe veröffentlichte sein Buch als „Eine Untersuchung der religionsgeschichtlichen Zusammenhänge“, und in gewissem Grade gehören vergleichende Evangelienstudien ebenfalls in das Gebiet der vergleichbaren Religionen. Die wichtigste der früheren Arbeiten auf diesem Gebiet ist Carl Clemens „Religionsgeschichtliche Erklärung des Neuen Testaments“ (Gießen 1924: erste Auflage Gießen 1909). In seiner wissenschaftlichen Arbeit bezieht sich Clemen oft auf Garbe, ist aber noch abgeneigter als Garbe, um buddhistische Einflüsse in den N.T.-Evangelien anzuerkennen.

Wenn wir uns schon mit diesem Fachbereich beschäftigen, so müssen wir uns einer völlig anderen Frage zuwenden: Wie sieht es mit den Quellen der buddhistischen Quellen selbst aus. Wie verhält es sich mit der Geschichtlichkeit des Buddhas selbst?

Ich persönlich bin mehr und mehr geneigt, nach griechischen Quellen für den frühen Buddhismus zu suchen. Sind die Überlieferungen über Boddo (es gibt verschiedene Schreibweisen), über Sâkyamunis und sein Dharma vielleicht lediglich typische Produkte des hellenistischen Synkretismus? Ist Sâkyamunis (zuerst erwähnt von Asoka, wie schon gesagt) mehr oder weniger ein indischer Gegenpart zum rein mythischen Sarapis?

Was auch immer die Antwort auf solch ketzerische Zweifel sein mag, sie findet nur geringe Unterstützung – und das ist es, weshalb ich Synkretismus vermute – bei der Beantwortung der Frage nach den Ursprüngen der buddhistischen Quellen des Neuen Testamentes.

Falls wir lediglich auf die Methode der Religionsvergleichung beschränkt wären, befänden wir uns auf unsicherem Boden. Aber unsere Methode besteht darin, nach engen sprachlichen Ähnlichkeiten zu suchen. Unsere Methode ist sprachwissenschaftlich [philologisch], sie basiert auf Texten. Falls der Buddha keine historische Person ist, gibt es immer noch die buddhistischen Texte, und bezüglich deren Priorität gibt es künftig keinen Raum mehr für irgendwelche Zweifel. Den einfachen Beweis für die buddhistische Priorität dürfte, wie bereits dargelegt wurde, durch das Sâkyamunis-Argument geliefert worden sein.

Christliche Legenden

Ein weiteres Thema, das von Garbe aufgegriffen wird, hat mit dem buddhistischen Einfluß auf spätere christliche Schriften und Tradition zu tun.

  1. Viel ist über die Legende von Barlaam und Josaphat geschrieben worden, und es wird heute von Wissenschaftlern allgemein anerkannt, daß sich hiN.T.er Josaphat (auch Budhasaf, Yudhasaf usw.) – der Name eines indischen Prinzen – der sanskritische Bodhisattva verbirgt (siehe z.B. David M. Lang, „The Wisdom of Balahvar: A Christian Legend of the Buddha“, London 1957).

Nach meinem besten Wissen hat kein Wissenschaftler damit Erfolg gehabt, den ursprünglichen indischen Namen des Einsiedlers Barlaam zu entschlüsseln, der im vermittelten Christentum als heiliger Barlaam [Sankt Barlaam] verehrt wurde, dessen Prädigten den Hauptteil der Geschichte ausmachen. Balahvar ist die Form des Namens, wie er im georgischen Text enthalten ist.

Die Identifizierung kann jetzt leicht vorgenommen werden, da wir den Sanskrit-Text des Samghabhedavastu (SBV. einem Teil des MSV) in unseren Händen haben. Er wurde erstmals von R. Gnoli im Jahre 1977 veröffentlicht. Hier lesen wir die Legende von Bodhisattvas (Seite 93), die sich aufmachten, um den Einsiedler Bhârgavas zu sehen, der neben anderen Dingen einige goldene Blumen und Früchte (... sauvarnaih puspaphalair ...) erwähnt. Wir lesen in der georgischen Version, daß nach dem Tode seines Vaters, des Königs, „Iodasaph das ganze Königreich einem anderen Christen, Barakhia, übergibt und nach Sarnadip abreist. Dort vereinigt er sich wieder mit Balahvar ...“ (Lang, ebenda, Seite 55).

 Hinter dem Sarna-dip haben wir das sauvarna des Originals, „golden“. Der Einsiedler Balahvar auf der Goldenen Insel mit Iodasaph war offensichtlich ursprünglich der Weise Bhârgavas im Walde mit goldenen Blumen und Früchten mit Bodhisattvas.

Wir können auch den anderen Christen, Barakhia (Barachias), identifizieren, dem das gesamte Königreich übergeben wurde. Die Quelle ist dieselbe (SBV, Seite 199). Das Königreich wurde Bhadrikas (ursprünglicher Name von Barakhia) übergeben, dem König der Sâkyas

Der Zweck der Legende über Balaam und Josaphat ist es, Buddhisten so darzustellen als ob sie Christen wären. Die historische Wahrheit ist genau das Gegenteil. Dieses bildet eine hervorragende Parallele zu der Art und Weise, wie Buddhismus in den N.T.-Evangelien in Christentum umgewandelt wurde.

Darüber hinaus ist es sehr bedeutsam, daß die ursprüngliche Quelle für die späte christliche Legende genau dieselbe ist, wie die Quelle für die frühe christliche Legende – nämlich der MSV.

  1. Garbe befaßt sich auch mit der Legende von St. Eustachius (Eustathius), dessen früherer Name Placidus war. Diese Legende wurde später mit der Legende von St. Hubertus usw. verbunden. Placidus erhielt seinen neuen Namen, Eu-stachius, als er bekehrt war, nachdem er Christus in der Form eines Hirschkönigs gejagt hatte.

Hier ist es wieder leicht, die ursprüngliche buddhistische Quelle zu identifizieren, welche das Mahâparinirvânasûtram (MPS) 40 ist, ein Teil des MSV, – die Verwandlung von Su-bhadras.

Einmal war der Buddha ein Hirschkönig, der Subhadras rettete, der ebenfalls zum Buddhismus übergetreten war.

Das Sanskrit Su- wird zu griechisch Eu-, „gut“. Eu-stachius und Hu-bertus sind zwei verschiedene Wiedergaben eines und desselben Originals: Su-bhadras. Placidus ist eine Wiedergabe des Sinnes von Subhadras. Der christliche Heilige war ursprünglich ein buddhistischer Heiliger.

Wenn man die Legende vom Hirschkönig im ursprünglichen Sanskrit liest und das Griechische mit dem Sanskrit vergleicht, kann man ziemlich leicht erkennen, daß dies auch die Quelle vom „Guten Hirten und seinen Schafen“ in Johannes 10 und der Christophorus-Legende ist. Die Quelle ist, wie gesagt, der MSV.

  1. Der MSV ist auch die Quelle für die Legende von der buddhistischen Prostituierten, Âmrapâliganikâ, die später nicht nur zur Prostituierten Maria im N.T. aufdrehte (Lukas 10:38, „Maria und Martha“), sondern auch als Pelagia und Afra von Augsburg in christlichen Legenden auftritt (siehe meinen Aufsatz: „Âmrapâli in the Gospels“).

So erkennen wir in späteren christlichen Legenden eine klare Tendenz: die christliche Darstellung des Buddhismus. Sie ist weitestgehend auf Materialien gegründet, die nun endlich in Sankrit zur Verfügung stehen, dem MSV. Diese Tatsache bestätigt unsere Beobachtungen über das Christentum der N.T.-Evangelien – es war gleichfalls eine Art von Umwandlung des indischen Buddhismus, der auf denselben Quellen beruht.

Ein abschließendes Wort zur Naivität Garbes – und der meisten anderen deutschen Wissenschaftler, nicht nur der Theologen:

Garbe, der 1914 schrieb, zweifelt die Geschichtlichkeit von Jesus nicht an. Im Gegenteil. Das beste Argument, um die Geschichtlichkeit von Jesus zu unterstützen, war nach Garbe eine bestimmte Äußerung von A. Schopenhauer (siehe Garbe, Seite 6):

Jesus versprach seinen Jüngern, daß er bald zurückkommen würde – verfehlte aber offensichtlich, sein Versprechen zu halten. Dieses Versagen, ein Versprechen einzulösen, ist so ernst, daß spätere Herausgeber es aus dem Text gelöscht haben würden – wäre es nicht geschehen, daß es so authentisch war, daß man nicht wagte dies zu tun. Daher muß der Mensch, der seine Prophezeiung nicht wahr gemacht hatte, existiert haben. Versprechen zu machen und zu brechen setzt voraus, daß es eine Person gibt, um so zu handeln. Daher müsse Jesus, der Mann, der sein Versprechen nicht hielt, existiert haben! Jeder Student buddhistischer Schriften kann leicht auf zahlreiche Passagen hinweisen, wo der Buddha verspricht, daß er wiederkehren wird. Der MSV und das SDP sind voll solcher Versprechen in verschiedenen Formen. Somit haben wir hier wieder eine buddhistische Quelle – die nichts über die Geschichtlichkeit von Jesus beweist. Im Gegegenteil, sie bezeugt, wieder einmal, die buddhistischen Quellen der Legenden über Jesus.

Der weit verbreitete Glaube, daß Jesus eine historische Person war, ist wirklich erstaunlich. Seine geschichtliche Existenz ist ebenso armselig untermauert wie die historische Existenz, sagen wir, von Sarapis oder St. Nikolaus oder, wenn Sie wünschen, von Donald Duck. Dr. Christian Lindtner, im Oktober 2004

 

 Hinweise

Die wichtigsten neueren Bücher, in denen auf viele Parallelen hingewiesen wird, sind folgende:

N. Klatt, Literarkritische Beiträge zum Problem christlich-buddhistischer Parallelen, Köln 1982. – Eine sehr gute, kurze Arbeit, in der die buddhistischen Quellen der Legende, in der Jesus über das Wasser läuft, untersucht werden. Einschließlich einer umfassenden Bibliographie.

Zacharias P. Thundy, Buddha & Christ. Nativity Stories & Indian Traditions, Leiden 1993.

 Elmar R. Gruber & Holger Kersten, Der Ur-Jesus, München 1995.

J. Duncan M. Derrett, The Bible and the Buddhists, Bornato in Franciacorta 2000. – Mit einer umfangreichen Bibliographie.

Keiner dieser Autoren zollt jedoch dem Prinzip der engen sprachlichen Ähnlichkeit ausreichende Beachtung, einschließlich der numerischen Identität (Gematria). Bezüglich einiger meiner eigenen Entdeckungen und Besprechungen von Arbeiten anderer Wissenschaftler möge der Leser folgende Schriften beiziehen:

Hînayâna. Den tidlige indiske buddhisme, København 1998. – Einschließlich einer Übersetzung des Catusparisatsûtram (einem Teil des MSV) – einer Hauptquelle der N.T.-Evangelien.

Buddhism in relation to Science and World Religions, Secunderabad 1999.

Besprechung von: Buddhismus und Christentum, Michael von Brück & Whalen Lai, in Buddhist Studies Review 16/2 (1999), pp. 259-263

 „Âmrapâli in the Gospels“, in The Adyar Library Bulletin, Vol. 64 (2000), pp. 151-170

„Some Sanskritisms in the New Testament Gospels“, in The Adyar Library Bulletin, Vol. 65 (2001), pp. 101-109

 Besprechungsaufsatz: The Bible and the Buddhists, von J. Duncan M. Derrett, in Buddhist Studies Review, Vol. 18/2 (2001), pp. 229-242

 Besprechung von: Jesus oder Buddha: Leben und Lehre im Vergleich, von Ulrich Luz & Axel Michaels, in The Adyar Library Bulletin, Vol. 66 (2002), pp. 184-190.

„Buddhist Bhagavatism“, in The Adyar Library Bulletin, Vol. 66 (2002), pp. 15-65

Hemligheten om Kristus, Klavreström 2003. – Eine deutsche Version „Geheimnisse um Christus“ wird in kürze (Januar 2006) im Lühe-Verlag, Süderbrarup, erscheinen.

„Gematria in the Gospels“, im Acta Orientalia, Vol. 64 (2003), pp. 7-37. Auch in Research Bulletin. Vishveshvaranand Vedic Research Institute, Vol. 2 (2003), pp. 113-143.

Besprechung von: Buddhavacanam and Dei Verbum, von Michael Fuss & The Bible and the Buddhists, von J. Duncan M. Derrett, in Research Bulletin. Vishveshvaranand Vedic Research Institute, Vol. 2 (Dezember 2003), pp. 287-304

 „A New Buddhist-Christian Parable“, in The Revisionist, Vol. 2/1 (2004), pp. 12-24

 „ Buddha alias Jesus. The Fig Tree and the Vine“, in Research Bulletin. Vishveshvaranand Vedic Research Institute, Vol. 3 (December 2004), pp. 109-139

 

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